Systemische Interventionen Schlippe

Körperliche Eingriffe Lippe

Kostenloses E-Book mit Leseprobe "Systemische Interventionen" von Artist von Schlippe & Jochen Schweitzer (ISBN 9783846348109) Systemische " ist heute ein Weg, der sich erst in der Hälfte des letzten Jahrtausends als " Familiestherapie " etabliert hat, dann aber immer häufiger spezifischere und von der Familienumgebung unabhängige Ansätze und Techniken entwickelt. Mittlerweile gibt es dieses Leitbild auch im physiotherapeutischen Feld als Einzel-, Paar-, Familien-, Gruppen- und Mehrfamilien-Gruppentherapie (Ludewig 1992, 2002; von Schlippe / Schweitzer 1996; Boscolo / Berlin 1997, Schleswig 1999; Retzlaff 2001;

Schöndler 2005) - 2008 wurde nach langem Gespräch die systemische Bewegungstherapie als naturwissenschaftliches Ganzkörperverfahren erkannt (von Sibirien / Beher /Retzlaff / Schweitzer 2007).

Das Leitbild ist in der Erziehung und Sozialarbeit als systemische Didaktik (Voss 2005), in der Kindstherapie (Retzlaff 2008) und in der Sozialarbeit (Ritscher 2002) zu finden. Sie hat sich besonders in gewinnorientierten und gemeinnützigen Unternehmen als systemische Unternehmensführung und als systemische Führungs-, Team- und Unternehmensberatung durchgesetzt ( "Trebesch 2000, Koenigswieser / Hillebrand 2004, Vimmer 2004).

Darüber hinaus haben sich vielfältige Interventionsmöglichkeiten ergeben (z.B. Koenigsweser/Sexner 2002; Schwing/Fryszer 2006; Hansen 2007; Caby/Caby 2009; Klein/Kannicht 2009). Die Verständigung und die Erzählungen der einzelnen Menschen haben dabei eine ganz spezielle Rolle: "Realität" wird als Folge der sozialen Gestaltung gesehen, nicht als etwas, das ein für alle Mal sachlich und gültig ist.

Die systemische Berufsberatung hilft Menschen, über ihren Weg zu informieren und selbstreferenzielle Standpunkte zu den von ihnen selbst erzählte Erzählungen zu beziehen. Lebens- und Sozialsysteme gelten als selbstorganisierend und werden insbesondere aus zwei Blickwinkeln betrachtet: In der Regel sind solche Anlagen zu verschiedenen Zeitpunkten im Entwicklungsprozess simpel oder kompliziert, beständig oder unbeständig.

Mit anderen Worten, eine systemische Praktik kann Chancen für ein in sich geschlossenes Unternehmen schaffen (Luhmann 1988, S. 132) und "sicherstellen, dass Chancen öfter kommen, als sie von selbst kommen würden. ¿Wie kann man ein Kommunikationssystem von Anfang an so gestalten, dass eine bestimmte Chance für die Aussage von etwas so Nützlichem gegeben ist, obwohl dies nicht vorhersehbar ist?

Der Versuch wird unternommen, empfindlich auf die Gegebenheiten des betreffenden Systems zu reagieren. Aufbau einer kooperativen Beziehung mit allen Interessengruppen. Es betrifft das betreffende Sozialsystem, aber auch externe Personen wie z. B. Kundschaft, andere Kundschaft, Geschäftspartner, sogar Wettbewerber, etc. Die Schlüsselfrage ist: Wie können die Betroffenen ihre Potenziale so zusammenführen, dass ein gutes Resultat erzielbar ist?

In diesem Kooperationsverbund besteht eine spezielle Aufgabe für die systemische Psychotherapie darin, für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer anerkennende Darstellungen zu erarbeiten, d.h. nach dem potentiell positiven Einfluss auch hinter anscheinend zerstörerischem Handeln zu forschen. Womit kann man den "Themenbereich" der systemischen Unternehmensberatung verstehen? Es ist eine essentielle Voraussetzung für den Konstruktivismus, dass die Sozialsysteme dazu neigen, die Realitätserfahrungen der Systemteilnehmer mit gemeinsamen Räumlichkeiten zu verbinden.

In diesem Kontext ist Stierlin (1988) als Familientherapeutin vom "Familiencredo" überzeugt, während Schneeewind (1991) als Familienforscherin den Terminus "Familienspezifisches Internes Erfahrungsmodell" vorschlägt, in das das objektive Wissen über die familiäre Realität jedes Individuums fließt. Oftmals werden diese Darstellungen in der Familie mit den Symptomenträgern nicht mehr adäquat zurückgemeldet, sondern die Erwartungshaltung der einen an die " Ist-Zustand " der anderen verfestigt.

In dieser Zeit entstand eine Realität, die mit Leid und Qualen verbunden ist. Die kommunikativen Austauschprozesse der Familienangehörigen sind in Gestalt von starren Mustern miteinander verflochten - und gerade diese sind Gegenstand der systemischen Selbstberatung. Man kann in der Formulierung der Selbstorganisationstheorie feststellen, dass sich die Betroffenen auf eine gewisse Ordnung der Realität, ein rigides Schema, fixiert haben.

Der " Sinnestraktor " ist ein (relativ) beständiger Erkenntniszustand ("Schema"), den ein Mensch sich selbst, die Menschen um ihn herum, seine Umgebung und eine gewisse Art, die Dinge zu ergründen. Diesen Sinnestraktoren folgt eine Abschlussdynamik, die Julian Jaynes als "Narrativierung" (1993) bezeichnete: Individuelle, vereinzelte Wahrnehmungsaspekte werden mit anderen vereinzelten Einzelaspekten und mit Memorabilien zu kohärenten Erzählungen, "narrativiert", verbunden.

In einigen FÃ?llen nutzen sich die Interaktions-Partner nur, um ihre Weltanschauungen zu bestÃ?tigen, die Neugierde auf einander geht verloren: "Do you see it? Deshalb wird der Begriff der systemischen Orientierung auch darin verstanden, "Ordnungsübergänge" zu aktivieren, d.h. dazu beizutragen, einen einmal ausgewählten "Sinnestraktor" zu hinterlassen, wenn er für die Teilnehmer zu einer Leidensquelle geworden ist, weil er - um die Formulierung der Selbsorganisationstheorie noch einmal zu verwenden - die ihm untergeordneten Vorgänge als "Verwalter" "versklavt":

Die Bezeichnung "Beschreibung" und der Verweis auf die Rede könnten nun nahe legen, dass es sich nur noch um die kognitiven, mentalen VorgÃ? Allerdings erscheint das Sprechen nicht abstinent, sondern in Gestalt von Erzählungen (dies wird besonders durch den "Sozialbau" angesprochen, z.B. die Gergener 2002, auch Deissler 1997, Anderson / Goolishian 1992). Das menschliche Zusammenleben spielt sich nicht absichtlich in der Fremdsprache ab, sondern in einer Lebenswelt mit gemeinsamen und kommunizierten Inhalten, d.h.

im ständigen Dialog, im Dialog und im Geschichtenerzählen, wobei wir unsere Realität beständig gestalten und unsere Identität gegenseitig bekräftigen - und das Geschichtenerzählen den Hörer braucht: "Ich denke, wer eine Geschichte erzahlt, muss immer jemanden haben, der sie erzahlt, erst dann kann er sie sich selbst erzählen" (Eco 2001, S. 241).

Der Beratungsprozess beschäftigt sich ab und zu aus unterschiedlichen Perspektiven und mit unterschiedlichen Verfahren mit der Fragestellung, wie es möglich wird, sich in ein solches Netzwerk von sich wechselseitig verstetigenden Stories "einzufügen" und Vorschläge zu machen, diese Story anders zu betrachten, die üblichen Stories zu zerlegen. Schließlich ist das Netz der Erzählungen nicht mehr beweglich, sondern zu einem Gefangenen geworden, zu einem "Problem": "Immer das Gleiche passiert", das andere (Kollege, Angestellter, Geschäftspartner oder wer auch immer) ist "so" und nicht anders: "Menschen sind unverbesserlich und kunstfertig - und sie haben die Gewohnheit, die Erzählungen zu werden.

Mithilfe von Wiederholungen verdichten sich die Erzählungen zu Realitäten und lassen die Erzähler bisweilen in den Begrenzungen stecken, die sie selbst mit geschaffen haben" (Efran et al. 1992, S. 115). Dabei entwickeln sie nicht nur ihre eigenen Vorstellungen von anderen, sondern auch Vorstellungen davon, was andere von ihnen implizieren. Störungen traten also auf der Stufe der "Metaperspektive" auf: was der eine ahnt, was der andere über ihn und was der andere ahnt, was der andere über ihn und ihn ahnt, was man über ihn und seine Person achtet ( von Schlippe 2001).

Im Rahmen von Luhmanns Sysztheorie ( "Luhmann 1984") ist in diesem Kontext der Terminus "Erwartungen - Erwartungen" zu finden: Ein Mensch schult die Erwartungshaltung darüber, welche Erwartungshaltungen andere an ihn oder sie haben. Da ein Mensch nie allein ist, verschränken sich die Vorstellungen der einzelnen Glieder eines Wesensystems und formen sich zu Mustern, die wir (in der heutigen Terminologie) als selbst organisiert betrachten.

Das ist eine ganz andere Bezeichnung als z.B. das lerntheoretische Verständnis sozialer Gegebenheiten im Sinn einer gegenseitigen Stärkung der individuellen Familienangehörigen untereinander: "Erwartungserwartungen lassen alle Beteiligten gegenseitige zeitliche Ausrichtungen einnehmen....". Dadurch wird die Bildung sozialer Sicherungssysteme in Form von bloßen Reaktorketten vermieden, bei denen ein Geschehen mehr oder weniger vorhersehbar das andere mit sich bringt.... Die Erwartungsreflexion hingegen erlaubt es, Korrektureingriffe auf der Erwartungsebene selbst zu korrigieren und auch zu kämpfen" (vgl. Luhmann 1984, S. 414).

Das, was hier in poetischer Ausdrucksweise klingt, ist ein stark mit den Erwartungen verbundenes Phänomen: das "Problem der Doppelkontingenz". Zufälligkeit ist Luhmanns Begriff (er verfolgt Talkott Parsons) für die Wahrscheinlichkeit, dass etwas sein könnte oder nicht sein könnte. Jeder Mensch erfährt dies für sich selbst als Handlungsspielraum, im Verhältnis zum anderen als Unsicherheit der Erwartung (Luhmann 1984, S. 148ff., Simon et al. 1999, S. 187).

Lediglich im Rahmen der Doppelkontingenz haben nach Luhmann Konzepte wie Trust und Mißtrauen ihre Bedeutung: "Trust muss bedingt sein, d.h. willentlich nachgewiesen werden.... Er hat den gesellschaftlichen Funktionswert des Vertrauens nur, wenn er die Chance des Mißtrauens sieht" (Luhmann 1984, S. 181). Bei ratsuchenden Anlagen muss man sich nun mit solchen befassen, in denen bekannte Prozesse aufgrund von Konfliktdynamik nicht mehr funktionsfähig sind.

Oftmals gibt es dann eine Gelegenheit, dass die involvierten Menschen viel Zeit damit verbringen, über die Zusammenhänge zu reflektieren und zu nachdenken. Allen Veränderungsarbeiten gehen zwei zentrale Funktionen der systemischen Unternehmensberatung voraus, die im Nachfolgenden gesondert beschrieben werden, auch wenn sich beide Parteien nicht wirklich voneinander unterscheiden lassen: Prozesskontrolle und Ordnungsorientierung.

Der Gedanke eines unmittelbaren, planmäßigen und zielgerichteten Einflusses auf eine andere Person ist mit dem Systemansatz nicht vereinbar. Man kann vielleicht behaupten, dass ein systemischer Zugang besser mit dem Jazzmusiker als mit der Klassik zu vergleichen ist: Es gibt einen Bezugsrahmen, der die Einsatzmöglichkeiten einschränkt, aber es gibt keine "echten" Klänge. Bei anderen ( "klassischen") Therapiestrategien und Beratungen geht es mehr darum, "den passenden Weg zu finden", und vielleicht macht das den Austausch zwischen den "Schulen" so schwer.

Das Beratungsgespräch selbst findet dann im "freien Spiel" mit Fragestellungen und Thesen statt. Auf allen Kanälen, nicht nur über die Landessprache, sollte man signalisieren, dass der Consultant "mit dem anderen" ist.

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