Neuartige Antidepressiva

Neue Antidepressiva

Neue Antidepressiva in der Entwicklung. Moderne Antidepressiva sind SSRIs: selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Neueste Forschung auf dem Gebiet der Depressionen und Antidepressiva.

Methionin ist die neue Hoffnungsquelle bei Depressionen.

Bei stark depressiven Menschen sind Antidepressiva oft gar die Bedingung, dass sie überhaupt für ein Gespräch mit einem Psychotherapeuten da sind. Aber es gibt ein Problem: Nicht jedes Mittel funktioniert für jeden, und in manchen Fällen funktioniert gar nichts - etwa 20 Prozentpunkte aller Patientinnen sind betroffen. Es kann daher bis zu mehreren Monate dauern, bis entweder das passende Arzneimittel oder der Patient feststellt, dass keines der üblichen Antidepressiva bei diesem Menschen wirksam zu sein scheint. In diesem Fall ist es wichtig, dass der Patient das Mittel einnimmt.

Das liegt daran, dass das Selbstmordrisiko bei Menschen mit schwerer Depression oft sehr hoch ist. Eine schnelle und zuverlässige Antidepressiva wäre hier ein Glück. Eine so genannte Parteidroge könnte diese Versorgungslücke schließen: Keetamin. Die erste Wissenschaftlerin, die bemerkte, dassetamin auch eine starke antidepressive Wirkung zu haben schien, war John Krystal von der Yale University.

Tatsächlich war er mit krebskranken Menschen beschäftigt, stellte aber fest, dass viele von ihnen die depressive Stimmung unter dem Wirkstoff Ketamin spürbar verbessert hatten. Mit der Injektion von Karlos Sarate vom National Institute of Mental Health (NIMH) wurden 18 stark depressive Patientinnen implantiert. Der Effekt überstieg alle Erwartungen: 71 Prozentpunkte der Patientinnen und Patientinnen sprachen innerhalb kurzer Zeit, zwischen 40 und einigen wenigen Wochen, auf das Medikament an.

Durch eine intravenöse Verabreichung der Dosierung wurden depressive Beschwerden am ersten Tag um mehr als 50 Prozentpunkte reduziert. Bereits am zweiten Tag zeigte sich bei einem Dritteln der Patienten, dass sie überhaupt keine Depressionen hatten - dies wird von Psychiatern als völlige Vergebung bezeichnet. Mit etwa gleichem Anteil dauerte die Wirksamkeit der Einzelspritze eine ganze Jahr.

Erst danach kamen die Beschwerden zurück. Darüber hinaus hatte das Ketamin auch eine Wirkung auf diejenigen, bei denen alle anderen Antidepressiva bisher gescheitert waren. "Meines Wissens ist dies der erste Report über eine Therapie, die so rasch, so tief und so lange mit nur einer Dosierung wirkt", sagte er. Weiterführende Untersuchungen in der US-Region folgen und kommen zu dem selben Ergebnis: Zwischen 60 und 70 Prozentpunkte der Testpersonen, die bisher alle als resistent gegen Therapien galten, fühlen sich nach der Medikamenteninjektion wesentlich besser.

Inzwischen erforschen Mediziner der Charité Berlin auch das aktive Element des Ketamins bei therapieresistenter Dekubituskrankheit bei Deutschland. In der Klinik für Nervenheilkunde, Unfallchirurgie und psychiatrische Betreuung unter der Führung von Malek Bajbouj wurden bereits 16 Patientinnen und Patientinnen mit Kartoffelkrebs therapiert. "â??Es gibt Patientinnen und Patientinnen, die entweder seit Jahren in einer schweren Dekompression sind oder mindestens zwei AnsÃ?tze mit unterschiedlichen Antidepressiva nicht bestanden habenâ??, sagt er.

Kotamin schließt diese Kluft zwischen den beiden Emotionen. "Über einen Zeitabschnitt von drei aufeinander folgenden Kalenderwochen hinweg bekommen die Testteilnehmer der Charité drei Aufgüsse pro Tag, zusätzlich werden einmal pro Tag die vom Patienten beobachteten Effekte und Begleiterscheinungen erfasst. Noch sind die Werte nicht ganz so hoch wie in den US-amerikanischen Versuchen, aber sie sind immer noch überzeugend: 50% halbieren die Beschwerden, 35% sind 35% bis zwei Drittel der Beschwerden weg.

Drei der 16 Patientinnen und Patienten beschrieb die für hohe Dosierungen charakteristischen Phänomene: Wahnvorstellungen und das Gefuehl, sich ausserhalb des Koerpers zu befinden, vergleichbar mit einer Nahtoderfahrung. Bajbouj bewertet die Wichtigkeit von Ketamin für die psychiatrische Versorgung etwas zurückhaltender als seine US-Kollegen, ist aber trotzdem extrem zuversichtlich. Doch die Verbindung einer ganz neuen Wirkungsweise, die schnelle Wirksamkeit innerhalb von wenigen Minuten und das alles bei einem großen Anteil der Betroffenen, das ist bereits sehr erfolgversprechend und eine besondere Eigenschaft.

Die Ketaminwirkung liegt vor allem im Hippocampus und im vorfrontalen Kortex, der für ein ausgewogenes und abstinentes Denkvermögen sorgt und dort die Glutamatrezeptoren hemmt. In der Fachzeitschrift "Science" schreiben der Psychologe Ronald Duman von der Yale School of Medicine und sein Mitarbeiter George Aghajanian, dass es damit möglich ist, verlorene Zusammenhänge zwischen durch Dauerstress geschädigten Neurotransmittern zu beseitigen.

Sie sind auch über die Wirkungsweise des Medikaments euphorisch: "Die rasche Therapiewirkung von Ketamin auf therapieresistente Patientinnen ist der grösste Fortschritt in der Depressionsforschung seit 50 Jahren", so die Wissenschaftler. Daher erscheint es möglich, dass die Möglichkeiten der Therapie von Depressionen durch das Einsatz von Ketonamin bis zu einem gewissen Grad revolutioniert werden.

Bisher besteht das Hauptproblem darin, dass die Langzeiteffekte von Petroleum nicht eindeutig erforscht sind. Es könnte nämlich sein, dass bei längerer Applikation die Wirksamkeit abnimmt, d.h. eine Verträglichkeit für das Mittel entsteht. "Obetamin langfristig wirksam ist, erscheint den Wissenschaftlern auch nicht das Allerwichtigste.

Für Mediziner ist das Medikament wegen seiner sehr raschen und weitreichenden Wirksamkeit - insbesondere bei selbstmördergefährdeten Menschen - interessanter. "Aber um Sie auf einem hohen Niveau zu hält, müssen Sie es mit anderen Behandlungsmethoden, wie z.B. der psychotherapeutischen Behandlung, kombinieren", sagt Bajbouj.

Sogar der Euphoriker Carlos Sarate mahnt vor dem weit verbreiteten Einsatz von Ketamin in der Psychiatrie.

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